Was ist dran am Mythos Multitasking?

Der Multitasking Mythos

Ist Multitasking gut oder schlecht? Multitasking Hirnforschung

Was bedeutet Multitasking eigentlich?

Wikipedia sagt: Unter Multitasking oder Mehrfachaufgabenperformanz (seltener menschliches Multitasking) versteht man die Ausführung zweier oder mehrerer Aufgaben zur selben Zeit oder abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten. Die Aufgaben sind voneinander unabhängig, das Ziel einer Aufgabe ist also nicht von den Resultaten der anderen Aufgabe abhängig. So wird beispielsweise eine E-Mail verfasst und gleichzeitig einem Bericht zugehört. 

 

Multitasking, wer ist besser? Männer oder Frauen?

Jahrelang wurde uns vorgebetet, dass Multitasking gut und erstrebenswert ist und Menschen, die das hinkriegen besonders belastbar,  leistungsfähig, überdurchschnittlich geschickt, schlau oder intelligent wären. Und wir haben lange Zeit eine  Art Wettbewerb geführt Vater gegen Mutter, Mutter gegen Tochter, Kollegen unter sich. Ganz beliebt und vielerorts diskutiert ist die Frage, ob nun Männer oder Frauen das besser können.

 

Und jetzt komm ich und sage: Alles Nonsens!

 

Ja und obwohl ich selbst eine Frau bin, sag ich es an der Stelle nochmal ganz deutlich: Auch wir Frauen können kein Multitasking! Denn weder ein Frauen- noch ein Männergehirn ist dazu in der Lage. Und auch wenn jetzt der eine oder andere Aufschrei kommt wie neulich bei meinem Posting in Social Media, bei dem eine Leserin bereits nach wenigen Minuten schrieb: "Doch, ich kann das". Es stimmt nicht, sie macht sich was vor. Denn die Gehirnforschung ist eindeutig und Dinge abwechselnd in einer kurzen Abfolge zu tun ist NICHT gleichzeitig!

Warum Multitasking nicht funktioniert - Multitasking Hirnforschung

Weil unser Gehirn  Multitasking nicht kann. Es kann nicht gleichzeitig, es kann nur blitzschnell hin- und herschalten. Wieder und wieder. Jedoch, je mehr das geschieht, umso mehr Fehler passieren. Und dazu noch ermüdet Multitasking. Das sind die Erkenntnisse der Gehirnforschung.

 

Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Multitasking gar nicht geht. Weder bei Mann, noch bei Frau. Wir können zwar beispielsweise einem Gesprächspartner am Telefon zuhören und während dessen visuelle Informationen vor dem Bildschirm aufnehmen, denn unsere Wahrnehmung funktioniert  auf vielen Kanälen gleichzeitig. Wir können also auch sprechen und gleichzeitig etwas mit den Händen tun. In Fachkreisen  nennt man dies Output-Prozesse, die mit kleineren gegenseitigen Beeinflussungen jedoch problemlos möglich sind.

 

Um zwei oder mehr Aufgaben jedoch zur selben Zeit bearbeiten zu können, müssen Aufmerksamkeitsressourcen aufgeteilt werden, was hohe Anforderungen an Aufmerksamkeits- und Verarbeitungsprozesse stellt. Die Wissenschaft hat die Effizienz beim Bearbeiten verschiedener Aufgaben abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten in Unterscheidung mit einer seriellen Bearbeitung untersucht und eine enorm erhöhte Fehlerquote, ein extrem erhöhtes Unfallrisiko und eine Minderung der Leistung festgestellt.

 

Anders sieht es bei Aufgaben aus, die zwar zeitüberlappend laufen sollen, jedoch eine unterschiedliche Zielführung haben, denn hier kann das Gehirn nur einen Prozess pro Zeiteinheit ausführen, da die Entscheidung eine zentrale Aufmerksamkeit benötigt, die  nicht teilbar ist. Heißt, diese Aufgaben können zwar blitzschnell ablaufen, aber nicht "gleichzeitig".  Wir müssen eine Tätigkeit unterbrechen, um uns der anderen zuzuwenden. Das zeigen psychologische Experimente, die auch aufzeigen, dass sich dadurch die Bearbeitungszeit verlängert und die Fehlerquote steigt.

 

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie zwei unterschiedliche Entscheidungen zur gleichen Zeit fällen müssen, in dem Sie am Telefon nach einem Gesprächstermin gefragt werden und ein Kollege gleichzeitig fragt ob, ob und welche Unterlagen Sie für die nächste Besprechung vorab in ausgedruckter Form brauchen. Diese Art von Entscheidungsprozessen können nur nacheinander ablaufen. 

 

Eine Rolle spielt auch noch, wie geübt wir bei diesen kombinierten Tätigkeiten sind, wie z. B. wenn ein Autofahrer sich mit seinem Beifahrer unterhält. Es fällt dem langjährigen Fahrer leichter als einem Fahranfänger. Nichtsdestotrotz ist IMMER die Gefahr der Ablenkung gegeben.

Achtung: Multitasking ist schlecht und kann sogar  gefährlich sein

Gibt übrigens eine wissenschaftliche Studie, dass das Telefonieren im Auto mit dem Handy , auch mit einer  Freisprecheinrichtung, das Unfallrisiko vervierfacht. Das entspricht einem Alkoholgehalt von 0,8 Promille! Also VORSICHT!

 

Hier gibt es auch eine Laborstudie Quelle Wikipedia, in denen Personen in einem Fahrsimulator die Bremse betätigen sollten, dass die parallele Kommunikation über ein Handy die Leistungsfähigkeit beeinflusste. Die Probanden übersahen in der Einzelaufgabe (Bremsen bei roter Ampel) lediglich 3 % der roten Ampeln, während sie bei der Mehrfachaufgabe (Telefongespräch, Bremsen bei roter Ampel) bereits

 

↔️ 7 % der roten Ampeln übersahen und sich die Reaktionsgeschwindigkeit zum Betätigen des Bremspedals um 50 ms verringerte. ↔️

 

Multitasking vermeiden. Eine kurze Zen Geschichte wie es besser geht "Leben im Hier und Jetzt"

Wenn du mir schon länger folgst dann weißt du auch,  dass ich ein Fan von Sprichwörtern, Zitaten und Weisheiten bin, weil ich immer wieder fasziniert bin, wie viel Inhalt man in so kurze Aussagen packen kann. Wenn es für mich passt und richtig ist, ist es mir auch völlig egal wo es herkommt.

 

Daher an der Stelle  die Klarstellung, auch wenn ich des oftmals asiatische Weisheiten zitiere, hat das nichts mit Religion zu tun. Ich finde zum  Beispiel auch oft Aussagen aus dem Buddhismus, die für mich eine tiefe Wahrheit beinhalten, ich selbst bin aber keine Buddhistin.

 

Ich erwähne das so explizit, weil manche Menschen überempfindlich darauf reagieren, wenn sie denken, dass andere Religionen ins Spiel kommen und man sie in irgendeiner Form dorthin bekehren möchte. Also nochmal: Das liegt mir fern.

 

In der Geschichte unterhalten sich ein Zen Schüler und ein Zen Meister. Zen ist eine Richtung im Buddhismus.

 

Ein Zen-Schüler fragt seinen Meister: „Was unterscheidet den Zen-Meister von einem Zen-Schüler?“ Der Zen-Meister antwortet: „ Wenn ich gehe, dann gehe ich . Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.“

 

Der Zen Schüler sagt: „Wieso? Das mache ich doch auch.“

 

Der Zen-Meister antwortet: „Wenn du gehst, denkst du ans Essen und wenn du isst, dann denkst du ans Schlafen. Wenn du schlafen sollst, denkst du an alles Mögliche. Das ist der Unterschied.“

 

Die Geschichte zeigt: Wir sind uns unserer Gewohnheiten oft gar nicht bewusst und sehen nicht, was wir ändern könnten. Dabei  klingt es so einfach und ist doch so schwer. Nämlich sowohl mit dem Kopf als auch mit dem Körper genau bei der Sache zu sein, die man grade tut.

Multitasking ist schädlich - Multitasking und Stress

Die meisten Wissenschaftler gehen heute von einer begrenzten Kapazität in der Informationsverarbeitung aus, wobei die gleichzeitige Verarbeitung mehrerer Reize nur dann möglich ist, wenn die maximale Verarbeitungsressource noch nicht ausgeschöpft ist. Danach kommt es zu einem drastischen Leistungsabfall und möglicherweise sogar zu neurobiologischen Veränderungen.

 

Zweifellos zeigt dies die Grenzen der gleichzeitigen Informationsverarbeitung angesichts der Reizüberflutung unserer Umwelt.

 

Der Hirnforscher David E. Meyer von der University von Michigan zeigt, dass Multi-Tasker mehr Zeit für die Erledigung ihrer Aufgaben benötigen, als wenn sie sie hintereinander ausführen und dass sie dabei die Fähigkeit zum Fokussieren nach und nach verlieren sowie an verstärkter Ausschüttung von Stresshormonen leiden.

 

Also nochmal deutlich: Multitasking ermüdet und stresst mehr!

 

Der anerkannte ADS-/ADHS-Spezialist und Psychiater Edward Hallowell sieht sogar Zusammenhänge der Symptome von Multi-Taskern zu seinem ADS-ADHS Fachgebiet.

Wie lerne ich Multitasking?

Am besten gar nicht. Obwohl unsere Gesellschaft versucht, uns weiszumachen, dass es besonders schlau wär, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun und Mitarbeiter als besonders leistungsfähig gelten, solltest du dich davon nicht anstecken lassen und dich besser nur auf eine Sache konzentrieren und deine Aufgaben, nach und nach abarbeiten. Denn das ist weitaus effektiver, produziert weniger Fehler und ist auch unter Stress Gesichtspunkten wesentlich schonender für deine Nerven. 

Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden zum  Beispiel auch im Job, zu versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Grade ich, die lange Jahre im Vertrieb/Export Maschinenbau gearbeitet hat, was ja ganz viel mit Logistik zu tun hat, weiß genau, von was ich spreche. Denn die Vorgänge sind komplex, ziehen sich bei der Produktion großer Maschinen über Monate hinweg und viele Dinge müssen parallel laufen. Wobei parallel laufen eben nicht "gleichzeitig tun" heißt.

 

Ich möchte dir an der Stelle einfach den Tipp geben, wann immer du Multitasking  vermeiden können:  Tu es! 

Eine Frau, die mehrere Arme hat und damit gleichzeitig mehrere Dinge tut
Was ist dran am Mythos Multitasking?

7  Tipps gegen Multitasking und für weniger Stress - Versuche die Multitaskingfalle zu vermeiden

☑️ Setze dir Prioritäten

☑️ Strukturiere deine Aufgaben
☑️ Nutze kleine Post- it Zettelchen als Erinnerungsstütze, welche konkrete Aufgabe du dir vorgenommen hast

☑️ Sorge dafür, dass du nicht unterbrochen wirst (Anrufe auf Anrufbeantworter umleiten!?)

☑️ Mache ausreichend Pausen, um wieder frische Energie zu tanken

☑️ Sorge für genügend Abwechslung in deinen Aufgaben

☑️ Du musst nicht alles alleine machen, hol dir - wo möglich - Unterstützung

Einige Achtsamkeitsübungen zur Entschleunigung, ohne zusätzlichen Zeitaufwand

Hier kannst du einen deutlichen Unterschied wahrnehmen, da wir diese täglichen Kleinigkeiten normalerweise mit einem Automatismus ausführen und dem keine Beachtung schenken, weil es offenbar nicht wichtig ist. Wenn du also den Automatismus durchbrechen und das nächste Mal bewusst deine Zähne putzt, dann bist du  "im Hier und Jetzt"- ganz im Moment -  und entschleunigst dabei.

 

Wie gesagt, das Schöne daran ist, dass du KEINEN zusätzlichen Zeitaufwand hast:


 Frag dich, wie du dich vor dem Zähneputzen fühlst
⏺ Wie sieht die Zahnbürste oder die Zahnpaste aus,  rund, eckig, farbig,  lange/ kurze Borsten,  hart oder weich, weiß, mit roten Streifen 

⏺ riecht es frisch, scharf, herb
⏺ schmeckt es nach Minze, nach Kräutern,  Menthol

⏺ Ist der Druck auf Zähne und Zahnfleisch sanft und gleichmäßig

 Kommt das Wasser als Strahl oder leichtes Plätschern 

Ist das Wasser warm, lauwarm oder eher kühl
⏺ Wie fühlst du dich nach dem Zähneputzen

 

Merkst du den Unterschied? Das beruhigt deinen Geist. Und wenn du solche achtsamen Übungen regelmäßig machst, wirst du die wertvolle Erfahrung machen, dass es deinen Geist immer schneller beruhigt. Und je häufiger du deine ganze Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment lenkst, um so tiefer wirst du mit dir selbst in Kontakt kommen und dein Potenzial und deine Einzigartigkeit erkennen, was dir im täglichen Einerlei der Gewohnheiten im Weg steht. Du  wirst immer mehr erkennen, dass du  vieles in deinem Leben automatisch gemacht hast, gedankenverloren durch die Gegend gelaufen bist und wie viel wertvolle Momente du  dadurch verpasst.

 

Mehr "im Hier und Jetzt" zu leben,  dein Leben zu entschleunigen, bewusster im Moment zu sein und ihn zu genießen ist eine sehr gute Methode, um Stress zu reduzieren. Deshalb ist sie auch ein Bestandteil dessen, was du bei mir lernen kannst. Denn das Hauptanliegen meiner Kunden ist es doch, wieder abschalten zu können und Ruhe zu finden.  Du wirst dadurch insgesamt ruhiger, klarer und selbstbestimmter und entdeckst mit der Zeit ein ganz neues Lebensgefühl und eine bessere Lebensqualität.

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Weiterführende Links

Wenn du dich für diesen Artikel interessiert hast, dann könnte vielleicht auch mein Blogbeitrag "Stressmanagement - was ist das?" interessant für dich sein.

Wenn du mehr lesen möchtest, dann klicke hier  

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