Warum Multitasking Käse ist

Wie sieht dein Tag normalerweise aus?  Dein Wecker klingelt, raus aus dem Bett, Frühstück?  Wenn ja, dann wahrscheinlich schnell, Bad, Zähneputzen und eilig weg?

 

Daran schließen sich schier endlose Besprechungen, Computer Arbeit,  Telefonate und e-mails an.  In der Mittagspause kurz was essen und weitermachen, denn der Terminplan ist eng gestrickt.  Am Abend hetzt du dann nach Hause,  um Kinder-, Haushalts- und/oder Beziehungsarbeit zu erledigen?

 

Bist du auch meist  mit deinen Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe?  Oder reflektierst über die letzte Besprechung nach, wie ist es gelaufen?  Was du hättest  besser machen können“ Oder du ärgerst dich, weil es eben nicht so optimal gelaufen ist und fragst dich, was die Kollegen jetzt wohl denken?

 

Wer kennt das nicht? Wir  versuchen mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, weil wir denken, dass wir anders die vielen Aufgaben auch gar nicht bewältigen können. Multitasking nennt sich das. Und jahrelang wurde uns vorgebetet, dass das gut ist und erstrebenswert und dass es darum geht, wer das besser hinkriegt in so einer Art Wettbewerb. Vater gegen Mutter, Mutter gegen Tochter, Kollegen unter sich. Ganz beliebt und vielerorts diskutiert ist die Frage, ob Männer oder Frauen das besser können.

 

Menschen, die das angeblich besser hinbekommen gelten in unserer Gesellschaft als besonders belastbar und leistungsfähig. 

 

Und jetzt komm ich und sage: Stimmt alles nicht!

 

Ja und obwohl ich selbst eine Frau bin, sag ich es an der Stelle nochmal ganz deutlich: Auch wir Frauen können kein Multitasking!

 

Multitasking ist nicht produktiv und auch unter Stress-Gesichtspunkten auf keinen Fall erstrebenswert.

 

Weil unser Gehirn  Multitasking nicht kann. Es kann nicht gleichzeitig, es kann nur blitzschnell hin- und herschalten. Wieder und wieder. Jedoch, je mehr das geschieht, umso mehr Fehler passieren. Und dazu noch ermüdet Multitasking. Das sind die Erkenntnisse der Gehirnforschung.

 

Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Multitasking gar nicht geht. Weder bei Mann, noch bei Frau. Wir können zwar beispielsweise einem Gesprächspartner am Telefon zuhören und während dessen visuelle Informationen vor dem Bildschirm aufnehmen, denn unsere Wahrnehmung funktioniert  auf vielen Kanälen gleichzeitig. Wir können also auch sprechen und gleichzeitig etwas mit den Händen tun. In Fachkreisen  nennt man dies Output-Prozesse, die mit kleineren gegenseitigen Beeinflussungen jedoch problemlos möglich sind.

 

Anders sieht es bei Aufgaben aus, die zwar zeitüberlappend laufen sollen, jedoch eine unterschiedliche Zielführung haben, denn hier kann das Gehirn nur einen Prozess pro Zeiteinheit ausführen, da die Entscheidung eine zentrale Aufmerksamkeit benötigt, die  nicht teilbar ist. Heißt, diese Aufgaben können zwar blitzschnell ablaufen, aber nicht gleichzeitig.  Wir müssen eine Tätigkeit unterbrechen, um uns der anderen zuzuwenden. Das zeigen psychologische Experimente, die auch aufzeigen, dass sich dadurch die Bearbeitungszeit verlängert und die Fehlerquote steigt.

 

Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn du zwei unterschiedliche Entscheidungen zur gleichen Zeit fällen musst, in dem du am Telefon nach einem Gesprächstermin gefragt wirst und ein Kollege gleichzeitig fragt ob, ob und welche Unterlagen du für die nächste Besprechung vorab in ausgedruckter Form brauchst. Diese Art von Entscheidungsprozessen können nur nacheinander ablaufen. 

 

Gibt übrigens eine wissenschaftliche Studie, dass das Telefonieren im Auto mit dem Handy , auch mit einer  Freisprecheinrichtung, das Unfallrisiko vervierfacht. Das entspricht einem Alkoholgehalt von 0,8 Promille!

 

Natürlich lässt es sich nicht immer vermeiden zum  Beispiel auch im Job, zu versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Grade ich, die lange Jahre im Vertrieb/Export Maschinenbau gearbeitet hat, was ja ganz viel mit Logistik zu tun hat, weiß genau, von was ich spreche. Denn die Vorgänge sind komplex, ziehen sich bei großen Maschinen über Monate hinweg und viele Dinge müssen parallel laufen, 

 

Ich möchte dir an der Stelle einfach die Anregung geben, wann immer du Multitasking  vermeiden kannst:  Tu es! 

 

Denn konzentriert eine Aufgabe nach der anderen abzuarbeiten ist weitaus  effektiver!

 

Gibt da übrigens eine nette Geschichte . Wenn du mir schon länger folgst dann weißt du ja dass ich ein Fan bin von Sprichwörtern, Zitaten und Weisheiten, weil ich immer wieder fasziniert bin, wie viel Inhalt man in so kurze Aussagen packen kann. Wenn es für mich passt und richtig ist, ist es mir egal wo es herkommt.

 

Daher an der Stelle  die Klarstellung, auch wenn ich des öfteren asiatische Weisheiten zitiere, hat das nichts mit Religion zu tun. Ich finde zum  Beispiel auch öfter Aussagen aus dem Buddhismus, die für mich eine tiefe Wahrheit beinhalten, bin aber selbst keine Buddhistin.

 

Ich erwähne das so explizit, weil manche Menschen überempfindlich darauf reagieren, wenn sie denken, dass andere Religionen ins Spiel kommen und man sie in irgendeiner Form bekehren möchte. Also nochmal: Das liegt mir fern.

 

In der Geschichte unterhalten sich ein Zen Schüler und ein Zen Meister. Zen ist eine Richtung im Buddhismus.

 

Ein Zen-Schüler fragt seinen Meister: „Was unterscheidet den Zen-Meister von einem Zen-Schüler?“ Der Zen-Meister antwortet: „ Wenn ich gehe, dann gehe ich . Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.“

 

Der Zen Schüler sagt: „Wieso? Das mache ich doch auch.“

 

Der Zen-Meister antwortet: „Wenn du gehst, denkst du ans Essen und wenn du isst, dann denkst du ans Schlafen. Wenn du schlafen sollst, denkst du an alles Mögliche. Das ist der Unterschied.“

 

Die Geschichte zeigt: Es klingt so einfach und ist doch so schwer. Nämlich sowohl mit dem Kopf als auch mit dem Körper genau bei der Sache zu sein, die man tut. Den ganzen Tag lang.

 

Was dabei helfen kann, aus diesem Hamsterrad rauszukommen und den Blick permanent in der Zukunft oder auch Vergangenheit zu haben ist Achtsamkeit. Durch achtsamen Umgang mit dir, deinem Körper, deinen Mitmenschen, allen Mitgeschöpfen, der Umwelt und dem Leben allgemeinen ist ein Bewusstsein, im "Hier und Jetzt" zu sein möglich. Du kannst dadurch anhalten, entschleunigen und erkennen, was wirklich wichtig ist und was du wirklich brauchst.  Achtsamkeit trägt dazu bei, Stress zu reduzieren.

 

Es gibt viele Gelegenheiten bei alltäglichen Tätigkeiten bewusst all unsere Sinne einzusetzen, um einen Moment zu spüren und intensiv wahrzunehmen, so zum Beispiel:

- Beim Zähneputzen

- Beim Kaffee trinken

- Beim Frühstücken

- Auf dem Weg zur Arbeit

- Beim Gehen

- Beim Händewaschen usw.

 

Setze alle Sinne ein: Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen!

 

Hier eine kleine Übung für mehr Achtsamkeit im Alltag, die keine zusätzliche Zeit beansprucht. Hier kannst du einen deutlichen Unterschied wahrnehmen, da wir diese täglichen Kleinigkeiten normalerweise mit einem Automatismus ausführen und dem keine Beachtung schenken, weil es offenbar nicht wichtig ist. Wenn du also den Automatismus durchbrichst und das nächste Mal bewusst deine Zähne putzt, dann bist du "im Hier und Jetzt". 

 

Wie gesagt, das Schöne daran ist, dass du keinen Zeitaufwand hast und dass das jeder machen kann:


- Frage dich, wie fühlst du dich vor dem Zähneputzen
- Wie sieht die Zahnbürste oder die Zahnpaste aus,  rund, eckig, farbig,  lange/ kurze Borsten,  hart oder weich, weiß, mit roten Streifen 

- riecht es frisch, scharf, herb
- schmeckt es nach Minze, nach Kräutern,  Menthol

- Ist der Druck auf Zähne und Zahnfleisch sanft und gleichmäßig

- Kommt das Wasser als Strahl oder leichtes Plätschern 

- Ist das Wasser warm, lauwarm oder eher kühl
- Wie fühlst du dich nach dem Zähneputzen

 

Merkst du den Unterschied? Das beruhigt deinen Geist. Und wenn du solche achtsamen Übungen in deinem Alltag regelmäßig machst, wirst du die wertvolle Erfahrung machen, dass es deinen Geist immer schneller beruhigt. Und je häufiger du deine ganze Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment lenkst, um so tiefer wirst du mit dir selbst in Kontakt kommen und dein Potenzial und deine Einzigartigkeit erkennen, was dir im täglichen Einerlei der Gewohnheiten im Weg steht. Du wirst immer mehr erkennen, dass du vieles in deinem Leben automatisch gemacht hast, gedankenverloren durch die Gegend gelaufen bist und wie viel du dadurch verpasst.

 

Mehr Achtsamkeit zu lernen, im Hier und Jetzt zu leben,  ist übrigens auch ein Bestandteil dessen, was du bei mir lernen kannst, weil es eine sehr gute Methode zur Stressreduktion ist. Du lernst, dir kleine Oasen der Achtsamkeit einzurichten, in denen du ganz bei dir bist und Ruhe findest. Du wirst dadurch insgesamt ruhiger, klarer und selbstbestimmter, erfährst mit der Zeit ein ganz neues Lebensgefühl und eine ganz andere Lebensqualität.

 

- 

Eine Comicfigur, die mehrere Arme hat und damit gleichzeitig mehrere Dinge tut


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